Man spricht heute soviel von Globalisierung und Rationalisierung und somit möchte ich Ihnen davon einen kleinen Geschmack geben.
DAS STREICHKONZERT
( oder “ Rationalisieren, koste was es wolle“)
Der Vorstandsvorsitzende eines Großunternehmens hatte von einem Geschäftspartner Konzertkarten für Schuberts unvollendete Symphonie bekommen. Da er verhindert war, gab er die Konzertkarten seinem Personalleiter.
Am nächsten Morgen fragte er seinen Mitarbeiter beiläufig, wie ihm das Konzert gefallen hätte. Anstelle einer Antwort überreichte ihm der Personalleiter eine Aktennotiz folgenden Inhalts:
1) Für einen beträchtlichen Zeitraum hatten die vier Oboespieler nichts zu tun. Ihr Part sollte deshalb entfallen, die Arbeit auf das ganze Orchester verteilt werden. Dadurch könnten dort Zeiten der Untätigkeit eliminiert werden.
2) Alle 12 Geiger spielten die gleichen Noten. Das ist unnötige Doppelarbeit. Die Mitgliederzahl dieser Gruppe sollte drastisch gekürzt werden . Falls wirklich ein großes Klangvolumen erforderlich sein sollte, kann dies durch einen elektronischen Verstärker kostengünstiger erreicht werden.
3) Erhebliche Arbeitskraft kostet auch das Spielen von Zweiunddreißigstel-Noten. Es wird deshalb dringend empfohlen , alle Noten auf-beziehungsweise abzurunden. Dadurch würden die Anforderungen an die Musiker verringert, so dass es möglich wäre die Tätigkeit in eine niedrigere Tarifgruppe einzugruppieren sowie Volontäre und Hilfskräfte einzusetzen.
4) Unnütz ist auch, dass die Bläsergruppe noch mal jene Passagen wiederholt, die bereits von den Saiteninstrumenten gespielt wurden.
5) Harfe, Triangel, Piccoloflöten und ähnlich exotische Instrumente würde ich an einen Dienstleiter outsourcen. Bei Bedarf könnten die Instrumente für einzelne Passagen preisgünstig angemietet werden.
6) Der Kerl an der Pauke hat die ganze Zeit nur dreimal mitgespielt und nur, wenn der Dirigent es merkte und hm einen Wink gab ! Ansonsten hat er die ganze Zeit faul vor sich hingedöst. Ich würde ihn wegen Minderleistung entlassen.
7) Eindeutig unterbesetzt sind dagegen die Führungsfunktionen: ein einzelner Dirigent kann nicht gleichzeitig alle Spieler beaufsichtigen. Ich empfehle daher, für jede verbliebene Instrumentengruppe je einen Unterdirigenten einzusetzen. Der derzeitige Dirigent sollte die Oberaufsicht übernehmen und sollte als wichtigste Person einen persönlichen Vertreter bekommen.
8) Würden alle überflüssigen Passagen gestrichen könnte das Konzert ohne weiteres von 25 Minuten auf maximal 4 Minuten verkürzt werden.
Hätte sich Herr Schubert an diese Erkenntnisse gehalten, so wäre er wohl imstande gewesen seine Symphonie zu vollenden.
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